<< zurück

Aktuelles
02.09.2011
Mittelmeer – Solidarität
Veranstaltung in Berlin
mit Devi Sacchetto, Italien
Bernd Kasparek, München
Helmut Dietrich, Berlin

Mehringhof, Versammlungsraum, Gnesisenaustr. 2a, 10961 Berlin
19.30 Uhr

Gebannt schaute die Welt Anfang des Jahres 2011 auf Nordafrika und den arabischen Raum, auf die Aufstände und Revolten, die innerhalb kürzester Zeit Diktaturen stürzten und auf immer neue Länder übergriffen. Wir sind begeistert, wie schnell Ben Ali und Mubarak vertrieben wurden, und wie schnell diese Dynamik durch den plötzlichen Aufbruch vieler Tausend Tunesier Richtung Lampedusa auch das europäische Grenzregime – zumindest momentan – erschütterte. Unsere spontane Begeisterung wandelte sich bald in ein handfestes Interesse, Möglichkeiten gemeinsamer Kämpfe auszuloten. Der Aufstand kommt näher. Die neuartigen Bewegungen in Spanien, Griechenland und Britannien zeigen an, dass die derzeitige »Schulden-Krise« soziale Gründe hat.

Voraussichtlich am 15. Oktober stechen in Rom die »Schiffe der Solidarität« in See, um das tagtägliche Sterben auf dem Mittelmeer sowie das dafür verantwortliche EU-Grenzregime an-zuprangern. Mit einer “Flotilla” kleinerer Schiffe wird versucht werden, Monitoring und öffentliche Anklage, Begleitung von Boatpeople und notfalls auch Rettungsinterventionen zu kombinieren. Die zunächst auf drei Wochen angelegte Aktion soll unter Beteiligung politisch-kultureller Prominenz bis nach Tunesien führen, mit Zwischenstationen in Sizilien, Lampedusa und Malta. Mit diesem euro-afrikanischen Kooperationsprojekt geht es nicht allein um die unmittelbare Verteidigung der Rechte von Flüchtlingen und MigrantInnen, sondern auch um eine Vertiefung der Vernetzung und Zusammenarbeit im mediterrranen Raum, die letztlich auf globale Bewegungsfreiheit zielt.

Im Mittelpunkt unserer Veranstaltung am 2. September stehen die Boots-Flüchtlinge – die zuvor in Libyen gearbeitet haben. Libyen war früher ein Land ohne Ausländergesetz, ein Land der großen afrikanischen Immigration – aber es war auch ein Land der Pogrome und der Lager, wenn es der libyschen Wirtschaft diente. Seit 2003 wurde Gaddafi zum bestialischen Gendarm der Festung Europa. Aber die Europäische Union hatte Zweifel, ob Gaddafi dieses anhaltenden Flusses nichtdokumentierter subsaharischer Erwartungen tatsächlich Herr werden würde. Der libysche Aufstand endete vorschnell in Schlachtordnungen. Die Truppenmobilisierungen beider Seiten provozierten einen Krieg gegen MigrantInnen. Die militärischen Kämpfer verwandelten die afrikanischen ArbeiterInnen mit Gewalt in enteignete Lagerflüchtlinge.

Inzwischen liegen ausführliche Berichte zu den Flüchtlingslagern hinter der libyschen Grenze in Tunesien vor. Die Flüchtlinge stecken in den Wüstenlagern fest. Wer kann, wagt die Flucht über das Mittelmeer nach Lampedusa. Noch nie gab es so viele ertrunkene, verdurstete, verunglückte Boat-people zwischen Nordafrika und Süditalien wie im vergangen Halbjahr. Frontex und die Nato-Schiffsblockade tragen direkte Mitschuld daran. Sie haben in konkreten Fällen Hilfe verweigert und sorgen für ein System der Abschreckung auf dem Meer. In Süditalien arbeiten afrikanische Flüchtlinge, die dem Inferno im Krieg, auf See und in den italienischen Abschiebelagern entkommen sind, in der Billigst-Landwirtschaft. Die Tomaten, die sie ernten, können wir in Berlin im Supermarkt kaufen. Die dortigen Lebens- und Arbeitsbedingungen sind wenig bekannt: Durch ein System von persönlichen Subunternehmern und Kapos werden sie täglich auf andere Felder zur Arbeit gekarrt, damit sie sich nicht organisieren können. Im August 2011 kam es dennoch zu Streiks und kollektiven Aktionen, es kam zu Blockaden von Autobahnen und Schnellzugstrecken.

Flyer


Flüchtlingsrat Hamburg, Nernstweg 32-34, 22765 Hamburg
Tel.: 040-431587 Fax: 040-4304490

info@fluechtlingsrat-hamburg.de


<< zurück

nach oben