<< zurück

Lagerpolitik
18.09.2003 - Krieg, Lager und Globalisierung der Migrationskontrolle
Eine Veranstaltung mit VertreterInnen des Flüchtlingsrats Hamburg, des AK Asyl Göttingen und der Kampagne gegen die IOM (International Organisation for Migration) am 18.9.03, 19.30 Uhr, Werkstatt 3

Lagerpolitik

Krieg und Lager gehören zusammen, weltweit. Nicht nur die Lager für Flüchtlinge in den Kriegsregionen und den Transitstaaten verhindern Flucht in die sichere Entfernung vom Krieg. Auch wenn Flüchtlinge es schaffen und in ihren Zielländern ankommen, warten dort Lager: um sie schon ab der Einreise unter Kontrolle zu halten, ihnen jegliche Rechte vorzuenthalten, sie von der Bevölkerung zu isolieren, psychisch zu zerstören und baldmöglichst wieder loszuwerden.
Es ist unbestreitbar - Lager sind zur Zeit auf Expansionskurs. In Deutschland heißen die neuen Lager "Ausreisezentren" und ergänzen das schon bestehende System von Abschiebeknästen, "Gemeinschaftsunterkünften" und anderen Flüchtlingslagern. In Hamburg ist eine Neuordnung der "Zentralen Erstaufnahmeeinrichtung" auf dem Schiff "Bibby Altona" nach dem Konzept eines kombinierten Ein- und Ausreiselagers in der Umsetzung.
Die europäischen Regierenden diskutieren zur Zeit Pläne für eine Aus-Lager-ung der Flüchtlinge, die es schaffen nach Europa zu gelangen. Sie sollen sich gar nicht mehr hier aufhalten können, sondern in Lager an den Rändern Europas geschafft bzw. dort abgefangen werden und ihr Asylverfahren "heimatnah", d.h. in der Nähe der Kriegs- und Krisenregionen, durchführen.
Die IOM (International Organisation for Migration) plant und organisiert weltweit solche Lager, z.B. auf der Insel Nauru bei Australien, und propagiert z.B. in Deutschland die "freiwillige" Rückkehr von Kriegsflüchtlingen.
Lager(konzepte) sind historisch und weltweit durchaus unterschiedlich. Gemeinsam ist ihnen das (widerständige) Handeln der Menschen darin, das von den technokratischen Planspielen der Herrschenden nicht verhindert werden kann. Denn sie machen sich auf den Weg trotz Krieg, manche erreichen Europa trotz Abschottung, schlagen sich als Papierlose durch trotz Kontrollsystemen, ihre Proteste trotzen der Isolation und verhindern geplante Abschiebungen. Diese Realität gegenläufigen Handelns verbindet die Metropolen mit den Wüsten und dem Niemandsland zwischen den Grenzen.
<< zurück

nach oben