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Aktuelles
07.10.2011
Solidaritätskundgebung für Flüchtlinge
in Jürgenstorf/Stavenhagen
Kundgebung vor dem Flüchtlingsheim in Jürgenstorf
ab 10.00 Uhr

Pressemitteilung der Kampagne "Stop_it! Rassismus bekämpfen, alle Lager abschaffen" zu dem Gespräch von Flüchtlingen aus der Asylunterkunft in Jürgenstorf/Stavenhagen und Mitarbeiter_innen der zuständigen Behörden

Am Freitag, dem 07.10.2011, kam es in dem Flüchtlingslager in Jürgenstorf zu Zwiegespräch zwischen Flüchtlingen und Mitarbeiter_innen der zuständigen Behörden, u.a. Herrn Lappat aus dem Innenministerium, zwei ehemaligen Landräten und Herrn Plötz als Leiter des Ordnungsamts/Ausländerbehörde, dem Bürgermeister von Jürgenstorf und dem Direktor der Gesamtschule Stavenhagen.

Anlass war ein offener Brief der Flüchtlinge vom 23.9.2011, der auf die menschenunwürdigen Lebensbedingungen in der Asylunterkunft aufmerksam macht und die Schließung der Asylunterkunft zu fordert. Im Vorfeld des Gesprächs forderten die Flüchtlinge, dass Dolmetscher_innen sowie Vertreter_innen des Flüchtlingsrats und des Unterstützer_innenkreises dem Gespräch beiwohnen dürfen, um eine faire Gesprächssituation zu gewährleisten. Allein der Forderung nach einer/einem Dolmetscher_in wurde nachgekommen. Vor der Asylunterkunft äußerten etwa 50 Unterstützer_innen ihre Solidarität mit einer Kundgebung. Neben Redebeiträgen zu Lebensbedingungen von Flüchtlingen in Deutschland, zu den vielfach kritisierten menschenverachentenden Praxen in der Ausländerbehörde Demmin und zur deutschen Asylpolitik, haben einige Flüchtlinge über ihre traurigen Lebensrealitäten in Jürgenstorf zum Teil verzweifelt berichtet und die Forderung der Schließung untermauert.

Die grundsätzliche Bereitschaft der Behörden zum Dialog begrüßten die Flüchtlinge. Sie kritisierten jedoch, dass seitens der Behörden nicht auf die Forderung der Schließung eingegangen wurde. Stattdessen wurden punktuelle Verbesserungen vorgeschlagen. Bei den Lösungen blieb teilweise unberücksichtigt, dass einige Probleme in der Realität nur mit einer Schließung des Heimes und der Verteilung der Bewohnenden in Städte und der Abschaffung verwaltungsrechtlicher Hürden zu lösen sind. So wurde z.B. in Bezug auf die Unzufriedenheit mit der medizinischen Versorgung von Herr Lappat vorgeschlagen, einen Arztwechsel vorzunehmen. Dieser Vorschlag liegt fern des Bewusstseins über die Prozeduren, denen Asylbewerber_innen und Geduldete bei (Fach-)Arztbesuchen ausgesetzt sind (Eine Überweisung zum Hausarzt muss das Sozialamt bewilligen, eine Überweisung vom Hausarzt zum Facharzt muss wiederum vom Gesundheitsamt bewilligt werden.) Weiterhin konstatierte Lappat, dass die Asylunterkunft in einem Zustand sei, an dem .man noch was machen könne.. Entgegen der Empfindungen der Bewohner_innen, hatte er außerdem den Eindruck, dass die Bewohnenden der Asylunterkunft von den Bürger_innen aus Jürgenstorf willkommen seien. Darüber hinaus machten die Flüchtlinge ihren Unmut über die Länge der Asylverfahren deutlich. In der Asylunterkunft müssten Flüchtlinge teilweise über 10 Jahre leben. In Jürgenstorf treffen zwei unzumutbare Umstände zusammen: zum einen die menschenunwürdige Unterbringung/Umgang vor Ort und zum anderen die unmenschliche Asylpolitik, die Menschen dazu zwingt, mehrere Jahre ihres Lebens in Lagern zu verbringen- völlig im Unklaren über ihr Verbleiben und ihre Zukunft. Das löst bei den Bewohnenden psychische und körperliche Krankheiten aus, lässt sie in Lethargie und Passivität verfallen.

Viele der teilnehmenden Flüchtlinge befürchten jedoch, dass es bei Versprechungen, die Lebenssituation der Menschen vor Ort zu verändern, bleiben wird. Flüchtlinge und Unterstützer_innen, werden auch weiterhin gemeinsam für die die Schließung des Heimes in Jürgenstorf kämpfen. Denn keine punktuellen Verbesserungen können die Probleme, die durch Isolation und Zwangsunterbringung im Heim entstehen, lösen. Wir appellieren an die Verantwortlichen von ihren gesetzlichen Spielräumen Gebrauch zu machen und den Menschen aus dem Heim in Jürgenstorf eine menschenwürdige Unterbringung während ihres Asylverfahrens zu gewährleisten!

Pressekontakt: Kim Ayalan
mail

stop_it@gmx.de


Pressemitteilung
Offener Brief der BewohnerInnen


Flüchtlingsrat Hamburg, Nernstweg 32-34, 22765 Hamburg
Tel.: 040-431587 Fax: 040-4304490

info@fluechtlingsrat-hamburg.de


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