<< zurück

Abschiebungen
09.06.2012
Abschiebung trotz schwerer psychischer Krankheit

Abschiebung von Ali Reza Samadi

Abschiebung trotz schwerer psychischer Krankheit

Ali Reza Samadi, der im September 2010 in der Landesunterkunft für Flüchtlinge in Nostorf/Horst 10 Tage im Hungerstreik war, wurde in der Nacht vom 7. zum 8. Juni trotz Reiseunfähigkeit und latenter Suizidgefahr vom Landesamt für innere Verwaltung - Mecklenburg-Vorpommern, Amt für Migration- und Flüchtlingsangelegenheiten, nach dem Dublin-II Verfahren nach Norwegen abgeschoben, wo er mit einer baldigen Abschiebung nach Afghanistan rechnen muss. Die aus Sicht des psychosozialen Zentrums Greifswald die Gesundheit von Herrn Samadi hochgradig gefährdende und widerrechtliche Rückführung liegt in der Verantwortung des Leiters des Landesamtes, Herrn Wolf-Christoph Trzeba, und des Abteilungsleiters im Sozialpsychiatrischen Dienst des Gesundheitsamtes Rostock, Dr. Thomas Leyk, der der Abschiebung trotz der vorliegenden gesundheitlichen Bedenken, zugestimmt hat.

Ali Reza Samadi wurde von Dezember 2010 bis Mai 2011 in der Asklepios Klinik Nord-Ochsenzoll, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, stationär aufgrund akuter Suizidgefahr behandelt und ist durch Kriegs- und Verfolgungserlebnisse in Afghanistan schwer traumatisiert. Diese schwere Erkrankung von Herrn Samadi wurde über Monate durch den ärztlichen Dienst der Landesunterkunft Nostorf/Horst in Mecklenburg-Vorpommern, wo sich auch auf gleichem Gelände die Wohnaußenstelle der zentralen Erstaufnahme für Flüchtlinge der Stadt Hamburg befindet, nicht erkannt und behandelt.

Der Flüchtlingsrat Hamburg protestiert in aller Schärfe gegen die Rückführung von Herrn Samadi nach Norwegen, die seine Gesundheit in hohem Grade gefährdet und ihn der Gefahr einer Kettenabschiebung nach Afghanistan aussetzt. Der Flüchtlingsrat Hamburg fordert das Innenministerium Mecklenburg-Vorpommern auf, sofort Schritte einzuleiten, dass Herr Samadi nach Deutschland zurückkehren und die begonnene dringend erforderliche Behandlung der posttraumatischen Belastungsstörung durch das Psychosoziale Zentrum Greifswald fortgeführt werden kann.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Franz Forsmann,
Flüchtlingsrat Hamburg

Presseerklärung Flüchtlingsrat Hamburg 11.06.2012
Presseerklärung Stop it Kampagne 08.06.2012

Hintergrundsinformation siehe:
Link zu "Hungerstreik in Horst (17.09.2010)

Flüchtlingsrat Hamburg, Nernstweg 32-34, 22765 Hamburg
Tel.: 040-431587 Fax: 040-4304490

info@fluechtlingsrat-hamburg.de

<< zurück

nach oben