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Abschiebungen
02.09.2006
Abschiebestopp für Familien nach Afghanistan ....

Demonstrationsaufruf
Samstag, den 02. September 2006
11.00 Uhr (beginnend)
Hamburger Hauptbahnhof (Ausgang Glockengießerwall ! )

Brief an die Schulleitung

Wie Sie sicherlich u. a. der Presse entnommen haben, wurde vom Hamburger Innensenator Udo Nagel vor Kurzem beschlossen, ab Sommer 2006 auch Familien (Ehepaare mit Babys, Kindern und Jugendlichen jeden Alters) nach Afghanistan abzuschieben.
Unabhängig von der sich von Monat zu Monat verschärfenden innerafghanischen Sicherheitslage in mittlerweile allen Provinzen Afghanistans (inklusive der Hauptstadt Kabul), treffen wir auf Lebens-umstände mit zunehmender tödlicher Tendenz, die das Wort 'Leben' ansich kaum noch rechtferti-gen. Die Berichte unserer sich regelmäßig in Afghanistan aufhaltenden Mitarbeiter und Freunde bestätigen übereinstimmend die Berichte von Mitarbeitern internationaler Organisationen, unab-hängiger, internationaler Gutachter oder z. B. auch dem streng geheimen und doch pressebekann-ten Dossier des deutschen, auswärtigem Amtes. Sie schildern ein für uns kaum vorstellbares E-lend, in dem der fast ausschließliche Großteil der afghanischen Bevölkerung und seit Juni 2005 auch zurückgezwungene Abgeschobene aus Hamburg vegetieren. Viele in den letzten Jahren frei-willig in ihre Heimat Afghanistan Zurückgekehrte, versuchen teils lebensbedroht und vollkommen verzweifelt wieder ins Ausland zu fliehen.
Egal welchen politisch-innerdeutschen Standpunkt man über Abschiebungen allgemein und nach Afghanistan insbesondere vertritt, so sind sich Hamburger Institutionen genauso wie breite Teile der Hamburger Bürgerinnen und Bürger einig:
Eine Abschiebung - zumindest zur Zeit - von Frauen und Kindern nach Afghanistan ist vollkommen indiskutabel.

Wir haben seit Mitte letzten Jahres eine Vielzahl betroffener, alleinstehender Afghanen und verein-zelt kinderloser Ehepaare in der Phase ihrer Abschiebung zuerst in Hamburg, später auch in Af-ghanistan begleitet. Die hierbei gewonnenen Erkenntnisse und Eindrücke, lassen uns die Abschie-bung (speziell von Frauen und Kindern) zur Zeit nach Afghanistan als im höchsten Maße un-menschlich und moralisch in keinster Form vorstellbar erscheinen.
Die Erfahrungen der vergangenen 12 Monate veranlaßten ebenfalls eine Reihe Hamburger Organi-sationen (Rechtsanwälte, Kirchen, Bürgerinitiativen, Journalisten, Beratungsstellen, etc.) sich in ei-ner engen Vernetzung hiergegen mit allen legalen Mitteln gemeinsam einzusetzen.

Die Bitte, mit der wir uns heute gemeinsam an Sie wenden ist folgende:
Sicherlich unterrichten auch Sie an Ihrer Schule afghanischstämmige Schülerinnen oder Schüler. Wir alle möchten Sie, bzw. die entsprechenden Klassenlehrer sehr herzlich bitten, betroffene Schü-ler/innen und/oder deren Familien über (natürlich kostenfreie) Hilfestellungen, die wir im Falle einer Vorladung zur Ausländerbehörde geben können und werden, zu informieren. Bitte scheuen Sie sich selber auch nicht, uns im Einzelfall zu kontaktieren. Von den Abschiebungsabsichten des Innensenators betroffen sind ausschließlich afghanische Mitbürger/innen jeden Alters mit einem Duldungsstatus. (Sofern andere Familienmitglieder durch einen sichereren Aufenthaltsstatus oder sogar mittlerweile die deutsche Staatsangehörigkeit geschützt sind, hindert dies die Ausländerbe-hörde nicht an der Abschiebung von Mitgliedern der gleichen Familie mit Duldungsstatus. In der all-täglichen Praxis eine häufig vorkommende Situation.)
Darum generell: Lieber drei Mal zuviel und frühzeitig um Hilfe rufen, als einmal zuwenig und dann meist zu spät.

Natürlich kann Niemand eine Garantie dafür geben, dass eine geplante Abschiebung verhindert werden kann. Jedoch wissen wir aus der Vergangenheit, dass oft nicht alle zur Verfügung stehen-den, legalen Mittel und Möglichkeiten (rechtzeitig) ausgeschöpft wurden, da Betroffene sich mitun-ter relativ einseitig oder oberflächlich informierten, respektive informiert wurden. Um dieses zu ver-meiden, entstand das jetzt existierende Hamburger "Wissens- und Handlingspool" aus Juristen, Flüchtlingshelfern, Politikern, Sozialpädagogen etc. bezüglich der Verhinderung von Familienab-schiebungen aus Hamburg nach Afghanistan.

Wir danken Ihnen sehr herzlich für Ihre mögliche, zukünftige Unterstützung in diesem Punkt und stehen Ihnen selbstverständlich auch jederzeit als ehrenamtlicher Kommunikator und Integrations-helfer für sonstige Fragen oder Problematiken zur Verfügung, die möglicherweise Ihre afghani-schen Schüler/innen oder deren Familien in Hamburg betreffen.

Mit herzlichen Grüßen

netzwerk AFGHANISTAN INFO hamburg

Redebeitrag von Conni Gunßer auf der Demo im Namen des FR Hamburg
PM des FR Hamburg zum Anlass des Integrationskongresses am 31.08.2006 in Hamburg
Flugblatt
Demoaufruf (deutsch)
Demoaufruf (dari)
Brief an die Schulleitung
Information und Beratungsstellen
Aufruf an die Hamburger Lehrerinnen und Lehrer

Pressemitteilungen
PM CAFÉ EXIL vom 01.09.2006
Abschiebestopp nach Afghanistan gefordert in einem Antrag an den Senat der GAL (30.08.06)


Flüchtlingsrat Hamburg, Nernstweg 32-34, 22765 Hamburg
Tel.: 040-431587 Fax: 040-4304490

info@fluechtlingsrat-hamburg.de


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