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Brechmitteleinsatz
27.12.2004 Brechmitteleinsätze sind Folter!
Mitteilung an die Presse:

Brechmitteleinsatz


Der Flüchtlingsrat und die Kampagne gegen Brechmitteleinsätze Hamburg fordern den sofortigen, dauerhaften und ersatzlosen Stopp sämtlicher Brechmitteleinsätze in allen Bundesländern!
Wir sind sehr erschüttert über die Berichte in den Medien bezüglich der Konsequenzen eines gewaltsamen Brechmitteleinsatzes in Bremen am 27. Dezember 2004. Wie aus den Meldungen hervorgeht, ringt ein Mann aus Sierra Leone aufgrund dieser Tortur mit dem Leben, voraussichtlich wird er diesen Kampf verlieren. Unser Mitgefühl gilt ihm und seinen Angehörigen.

Schon im Dezember 2001 starb der damals 19 jährige Nigerianer Achidi John an den Folgen der gewaltsamen Verabreichung von Brechmitteln. MedizinerInnen sowie die Hamburger Ärztekammer warnten bereits vor dem Tod Achidi Johns vor den unkalkulierbaren Risiken dieser Maßnahme. Der Flüchtlingsrat und die Kampagne gegen Brechmitteleinsätze sowie andere Initiativen und Organisationen forderten den Stopp dieser Einsätze, lange bevor Achidi John sein Leben deswegen verlor. Doch trotz des dramatischen Ereignisses vom
09. Dezember ´01 werden in Hamburg und anderen Bundesländern weiterhin Brechmittel verabreicht, häufig unter Anwendung brutalster Gewalt. Die mögliche Konsequenz - der Tod von oftmals noch sehr jungen Menschen - wird dabei bewusst in Kauf genommen.

Brechmittel werden unter dem Vorwand eingesetzt, Beweismittel sichern und die betroffenen Personen vor gesundheitlichen Schäden durch vermutlich verschluckte Drogen bewahren zu wollen. Doch diese brutalen Eingriffe sind weder juristisch noch medizinisch notwendig, sondern ganz einfach Folter und deswegen grundsätzlich abzulehnen.

Bezeichnenderweise sind beide Opfer Afrikaner. Das verwundert nicht, denn die überwiegende Mehrzahl derer, denen Brechmittel verabreicht werden, sind laut Behördenstatistiken Afrikaner - zumindest in Hamburg. Oft reichen Hautfarbe, ein bestimmtes Alter und eine "typische Schluckbewegung" in Gegenwart eines Polizisten, um Brechmittel verabreicht zu bekommen. Brechmitteleinsätze sind rassistisch, unmenschlich und können tödlich enden, deshalb müssen sie sofort gestoppt werden.

Wir begrüßen, dass der Bremer Innensenator Thomas Röwekamp (CDU) die Vergabe von Brechmitteln vorerst ausgesetzt hat. Wir fordern ihn auf, künftig auf Brechmitteleinsätze vollständig und ersatzlos zu verzichten. Außerdem fordern wir vom Hamburger Innensenator Udo Nagel (parteilos) sowie den Innenministern
und -senatoren der übrigen Bundesländer, Brechmitteleinsätze sofort, dauerhaft und ersatzlos zu stoppen.


Pressespiegel und weitere Informationen unter Antirassismus Büro Bremen
  • Antirassismusbüro Bremen/ Brechmitteleinsätze



  • Flüchtlingsrat Hamburg, Nernstweg 32-34, 22765 Hamburg
    Tel.: 040-431587 Fax: 040-4304490

    info@fluechtlingsrat-hamburg.de


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