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Aktuelles
10.01.2007
Allein auf der Flucht
Wie ein tamilischer Junge nach Deutschland kam

Lesung
Werkstatt 3, Nernstweg 32, 22765 Hamburg
19.30 Uhr

Umeswaran Arunagirinathan, 1978 in Sri Lanka geboren, lebt seit 15 Jahren in Hamburg. Als Sohn einer tamilischen Familie erlebt er die Schrecken des Bürgerkrieges zwischen der singhalesischen Mehrheit und der tamilischen Minderheit, ein bewaffneter Konflikt, der bis heute andauert. Mit 12 Jahren gelingt ihm die Flucht aus dem Kriegsgebiet ins sichere Ausland. Nach fast einem Jahr kommt er im September 1991 in Deutschland an und lebt zunächst bei seinem Onkel in Hamburg. Trotz hervorragender schulischer Leistungen soll er bald abgeschoben werden. Sein Asylantrag wird abgelehnt und nur durch die entschiedene Unterstützung seiner Lehrer und die Solidarität seiner MitschülerInnnen darf er zunächst bis zum Abitur bleiben, dann bis zum Ende seines Medizinstudiums.

In seinem Buch schildert er seine Kindheit im Norden von Sri Lanka, wo die Mehrheit der Tamilen lebt. Seit Beginn der achtziger Jahre herrscht Bürgerkrieg in diesem Teil des Landes. Umeswaran berichtet eindringlich von der Bedrohung durch singhalesische Regierungstruppen, Raketenangriffe, Ermordungen und Verschleppungen, aber auch von der Angst vor den Tamil Tigers, der bewaffneten Organisation der um die Unabhängigkeit kämpfenden Tamilen, die in den Dörfern Kindersoldaten rekrutieren.

Er schildert seine Flucht nach Deutschland: Fast ein Jahr ist er unterwegs. Seine Odyssee führt ihn zunächst in die Hauptstadt Colombo, von dort aus geht es über Singapur nach Togo, wo er mit 200 anderen Tamilen acht Monate auf die Weiterreise warten muss. Endlich geht es weiter nach Nigeria und von dort aus nach Europa.

Seine Erfahrungen in Deutschland beschreibt er äußerst eindringlich: die allmähliche Eingewöhnung in seine neue Umgebung, das große Heimweh nach seinen Eltern und Geschwistern , sein Bangen um die Verlängerung seiner Aufenthaltserlaubnis, sein Kampf mit den deutschen Behörden, die Hilfsbereitschaft der Menschen, aber auch ihre Ablehnung.

Vieles was Umeswaran Arunagirinathan berichtet, ist bereits tausendfach in Hamburg von minderjährigen unbegleiteten Flüchtlingen erlebt worden - die Desorientierung bei ihrer Ankunft in der fremden Stadt, die drohende Abschiebung und nach 15 Jahren immer noch keinen gesicherten Aufenthaltsstatus. Die meisten von ihnen konnten allerdings nicht auf so viel Unterstützung zählen wie der Autor dieser bewegenden Geschichte. Sie wurden und werden meist unbemerkt von den Augen der Öffentlichkeit in ihre nach wie vor unsicheren Herkunftsländer abgeschoben.

Anhand der Erfahrungen, die Umeswaran Arunairinathan schildert, will der Flüchtlingsrat Hamburg auf die nach wie vor dringliche Aktualität der Situation unbegleiteter jugendlicher Flüchtlinge aufmerksam machen.
Ankündigung als PDF


Flüchtlingsrat Hamburg, Nernstweg 32-34, 22765 Hamburg
Tel.: 040-431587 Fax: 040-4304490

info@fluechtlingsrat-hamburg.de

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