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Abschiebungen
27.07.2012
Versuchte Abschiebung einer siebenköpfigen Romafamilie nach Mazedonien


Familienvater Sebastijan A. getrennt von der Familie aus dem Flüchtlingslager Billstieg abgeführt

Am 27.7.2012 überfielen ungefähr 10 PolizeibeamtInnen eine Wohnunterkunft in Hamburg-Billstedt. Mit Fotos der siebenköpfigen Familie A. bewaffnet, suchten sie freitagabends um ca. 20.00 Uhr nach der Romafamilie aus Mazedonien. Als sie den Familienvater, seine Frau und das jüngste Kind antrafen, sagten sie, dass sie eine halbe Stunde Zeit zum Packen hätten danach würden sie alle zusammen abgeschoben.
Als die auch anwesenden Vertreter der Ausländerbehörde feststellten, dass die vier Schwestern im Alter zwischen 4 und 8 nicht bei den Eltern sind, stellten sie die Eltern vor die "Wahl", wer von ihnen beiden als erstes und allein abgeschoben werden sollte. Der Vater, der erst am 12.7.2012 nach einem erneuten zweiwöchigen Klinikaufenthalt wegen schwerer Depression und dem Verdacht auf eine posttraumatische Belastungsstörung entlassen worden war, nahm die Abschiebung auf sich.
Um von den Eltern den Aufenthaltsort der vier Mädchen zu erpressen, riss eine Polizeibeamtin das Baby an sich und drohte, es wegzunehmen, wenn sie nicht sage, wo die Kinder seien. Daraufhin gab die erschrockene Mutter der Polizei den Anmeldezettel für die Ferienfreizeit der Kinder, um ihr Kind zurückzubekommen.
Die Polizei stahl den Eltern die Adresse, sodass es später stundenlanger Telefonate bedurfte, um eine Telefonnummer zu finden, wo die Kinder waren.

Die Polizei sperrte dann auch den Flur ab, wo die Räume der Familie sich befinden, und verhinderte damit jeden Kontakt und auch die Möglichkeit von besser deutsch sprechenden Mitbewohner zu übersetzen. Sodann wurde der Familienvater in einen Reisebus der Firma Hansa Rundfahrten aus Hamburg-Poppenbüttel gebracht, der von Polizeibeamten in Lederhandschuhen und mit Knüppeln und Waffen bewacht wurde. Obwohl Bewohner und ein den schwer depressiven Vater behandelnder Psychotherapeut die Beamten auf die Erkrankung hinwiesen, wurde diese mit der Bemerkung abgewiesen, ein Ärztin sei im Bus. Als diese verlangt wurde, hieß es plötzlich, es sei doch keine Ärztin.

Offensichtlich wurde die geklaute Adresse sofort genutzt, um bei der angegebenen Telefonnummer anzurufen. Es wurde angedroht, die Kinder abzuholen und abzuschieben. Aus welchen Gründen auch immer nahm die Polizei dann von diesem perversen Vorhaben Abstand.

Die Familie stammt aus ärmlichsten Verhältnissen aus einem Romaslum in Mazedonien. Die Lebenssituation (14 Menschen in einem unbeheizten Raum von 16 Quadratmetern) ist dokumentiert. Die Eltern sind Analphabeten und haben keine Chance, ihre Familie in Mazedonien menschenwürdig zu versorgen. Es wurden mehrere Petitionen eingereicht, auch die kirchliche Beratungsstelle fluchtpunkt ist tätig. Es gibt zwei schulpflichtige Kinder, die gut deutsch gelernt haben. Der Vater weist eine wiederkehrende psychische Störung auf.

Diese brutale Maßnahme kann nur als eine weitere Verschärfung einer menschenverachtenden Säuberungspolitik gegen Angehörige einer nachweislich besonders in Südosteuropa brutal verfolgten Minderheit zu gehören.
Die Hamburger Ausländerpolitik setzt damit die grausame Verfolgungspolitik fort.

Bleiberecht für Alle!!!

Roma UnterstützerInnen - Gruppe Hamburg

Interview mit dem Vater, nachdem er ohne seine Frau und ohne seine 5 Kinder nach Mazedonien abgeschoben wurde
  • http://romas-in-hamburg.blogspot.de/2012/07/abgeschobene-verschwinden-nicht.html

    Presseerklärung Fluchtpunkt (02.08.2012)

  • Pressemitteilung von den Hamburger und Schleswigholsteiner Falken

    Presse
  • Abschiebung aus dem Feriencamp (TAZ 29.07.2012)

    Flüchtlingsrat Hamburg, Nernstweg 32-34, 22765 Hamburg
    Tel.: 040-431587 Fax: 040-4304490

    info@fluechtlingsrat-hamburg.de

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