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Abschiebungen
03.11.2011
Abschiebung einer Roma Familie nach Serbien

Heute morgen kurz vor 7 Uhr würde Talibo, 7 Jahre alt, seine Schwester, seine Mutter und sein herzkranker Vater mit Austrian airlines aus Hamburg über Wien nach Serbien abgeschoben.

Eine Jahr lang versuchen die Roma UnterstützerInnen Gruppe, der Flüchtlingsrat, die GEW Bleiberechts Gruppe, kein mensch ist illegal und viele andere Menschen mit bitten und beten, Petitionen, Härtefallkomission, Aktionen und Veröffentlichungen in allen möglichen Medien und in Gottesdiensten auf die bedrohliche Situation der Romas nach einer Abschiebung hinzuweisen. Die Hamburger SPD versteht diese Sprache aber offensichtlich nicht und hat ein Herz aus Stein. Heute wurde die zweite uns bekannte Romafamilie innerhalb von einer Woche abgeschoben.

Als wir heute morgen ankamen, um bei der Familie zu sein, die letzten Minuten in Hamburg, sagte mir der kleine Talibo hilfesuchend:

Ich will nicht weg!
Und umarmte mich.

Mit einem Gefangenentransporter, einer Übersetzerin und einem Arzt kamen sie, um die Familie abzuholen.

Der Vater, der herzkrank ist und große Angst vorm Fliegen hat, hatte bei der Ausländerbehörde gebeten, mindestens mit dem Bus nach Serbien fahren zu dürfen.
Auch das wurde von der Ausländerbehörde abgelehnt.
Auch wenn es viel weniger Kosten verursacht hätte.
Aber hier geht es nicht um Kosten oder um Menschen ....

Als die Familie und ihre UnterstützerInnen weinend sich verabschiedeteten und sagten wir haben Angst vorm Fliegen, antwortet der Arzt: Ich habe Medikamente dabei.
Das heißt: Mach dir keine Sorge um deine Angst, du kriegst gleich Psychopharmaka.

Alle Politiker, die Abschiebeentscheidungen treffen, sollten gezwungen werden, so etwas mit zu erleben. Jeden Morgen, in vielen Städten und Dörfern in Deutschland. Während die Mehrheit der Menschen noch träumen oder gerade aufstehen, finden im Morgengrauen, im Stillen Abschiebungen statt. In Flüchtlingsunterkünften ist es Alltag.
Wie Mitarbeiter einer interministeriellen Arbeitsgruppe aus Berlin vor Jahren zu damals geplanten und durchgeführten Abschiebungen von Romafamilien sagten:

Es handelt sich um eine Säuberungsaktion!
Diese Familie hatte sich gewünscht, keine Öffentlichkeit dabei zu haben, nur Menschen, die sie kennen. Sie hatten große Angst vor der Repression, wenn sie ankommen und es bekannt wird das sie abgeschoben wurden.
Noch dazu ist bekannt, dass auch in ihrer Heimatstadt seit einige Zeit ein Schild beim Sozialamt hängt, das sagt, dass Abgeschobene oder "freiwillig zurückgekehrte " keinen Anspruch auf Sozialhilfe mehr haben.

Es werden leider noch mehr Abschiebungen die nächste zeit stattfinden, die Familien werden sich Unterstützung und Öffentlichkeit wünschen.

Achtet auf Ankündigungen!

Presseerklärung Flüchtlingsrat 03.11.2011

Siehe
  • Roma in Hamburg

    Flüchtlingsrat Hamburg, Nernstweg 32-34, 22765 Hamburg
    Tel.: 040-431587 Fax: 040-4304490

    info@fluechtlingsrat-hamburg.de

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